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 Handarbeitsmagazin
    "Liesel"
 Lehrgang - häkeln

Den Häkellehrgang ( Texte u. Fotos) veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des Burda - Verlages.
"burda"-Häkel Lehrbuch, Band 1, 1980, ISBN  3-920 158-48-2.. Vielen herzlichen Dank.
 



  • Die Geschichte des Häkelns
  • Allgemeines
  • Abkürzungen
  • Tipps


Von der Geschichte des Häkelns

Als der mächtige Geist des Wassers die Indianer schuf, geschah dies in den Sümpfen und Urwäldern des Orinoko-Deltas in Südamerika, so berichtet eine uralte Sage der Karau-Indianer, die sich als die Nachkommen dieser ersten Indianer bezeichnen. Der große Geist lehrte seine indianischen Kinder zu jagen und zu fischen, sich Hütten zu bauen und sich zu kleiden. Den Karau sollte es an nichts fehlen, dachte er, als er sich wieder in den großen Orinoko-Strom zurückzog.
Aber eines Tages hörte er lautes Jammern und Klagen am Ufer, und er verwandelte sich in einen Paradiesvogel und flog zu den Karau. Diese sahen den prächtigen Vogel und sagten zueinander: " Lasst uns diesem unser Leid klagen, er wird uns helfen!" Und sie sagten dem bunten Vogel, dass sie so traurig wären, weil sie keinen Schmuck für ihre einfachen Gewänder hätten.
Da nahm der Vogel einen endlosen Faden mit seinem schmalen, langen Schnabel, formte eine Schlaufe, zog das nächstliegende Fadenstück hindurch und so in einem fort, und es entstand ein Gewirk mit Blättern und Ranken, ein Gewebe, wie es die Karau noch nie gesehen hatten. Sie lernten schnell, diese kostbaren Dinge selber zu machen, und weil sie sich statt des Schnabels dabei eines Stäbchens  mit einem kleinen Häkchens bedienten, nannten sie die neue Technik "Häkeln".

So erzählt uns eine indianische Sage von der Enstehung einer Textiltechnik, die zu den beliebtesten Handarbeitstechnicken unseres Zeitalters gehört. Der Wunsch der Indianer, zu schmücken, ist uns geblieben, wenn wir heute mit gutem Garn feinste Rosetten, Akanthusranken oder filigrane Sterne häkeln; sei es für Tischdecken, Stolen oder bunte Topflappen, die daraus entstehen.
Das früheste uns bekannte Häkelgewirk fand man in altägyptischen Gräbern. Keine ganzen Arbeiten, sondern nur kunstlose Fragmente. Die Technik hat man wohl aus einer Knüpftechnik, wie sie zum Knüpfen von Fischernetzen benutzt wurde, entwickelt. Vor dreitausend Jahren wohl die einfachste Möglichkeit, aus einem Wollfaden ein verhältnismäßig dichtes Gewirk herzustellen, wenn man keinen Webrahmen hatte. Doch kam dem Häkeln noch lange nicht die Bedeutung zu, die es Jahrtausende später erhalten sollte. Die alles beherrschende Textiltechnik in der Antike blieb das Weben. Flachs und Schafswolle wurden gesponnen und verwoben, da mit den damals schon recht weit entwickelten Webrahmen auch sehr große Stoffbahnen hergestellt werden konnten. Wollene Kleidung finden wir um 1350 v. Chr., dann in Babylon-Assur, einer Kultur, die im Gegensatz zum schlichten Gewand Ägyptens das üppige, prunkvolle Wollgewand bevorzugt.
Ein Talent Wolle, das waren 30,3 Kilo, kostete zu jener Zeit etwas 15 Schekel, das waren 126 Gramm silber. Für ein Wollkleid mussten die Damen Babylons etwa 1/3 Schekel, also 6,8 g Silber, in die Waage werfen. Dafür konnten sie auch zwei Lämmer für ihre Küche erwerben. Die ersten kunstvoll gehäkelten Umhänge und Mäntel tauchten im 5. Jahrhundert nach Christus bei den Kopten, den christlichen Nachkommen der alten Ägypter, auf.

D
ie Häkelarbeit hat seit der Zeit des Biedermeier ( 1815 - 1848) in unserer Kultur ihren festen Platz. Wie sich in der Innenraum- und Möbelkunst ein schlicht behaglicher, der bürgerlichen Lebenshaltung entsprechende Stil entwickelte, so begann auch für die Hausfrau mit den ihr zur Verfügung stehenden einfachen Mitteln eine eigene Form der Handarbeit zu entwickeln. Der Wunsch, nützliche Dinge auch schön zu gestalten, ohne nun gleich mit großem künstlerischen Aufwand belastet zu werden, führte zwangsläufig zur Häkelei. War doch hier die Möglichkeit gegeben, mit dem gleinstmöglichsten Aufwand an Werkzeug und Platz das hervoragenste Ergebnis zu erzielen. Der Formenreichtum der Spitzenklöpplerinnen Frankreichs und Belgiens konnte ohne die Anwendung der hochkomplizierten und äußerst anstrengenden Arbeitsweise dieser Technik wseitgehend durch das Häkeln ersetzt werden. Man hatte die Möglichkeit, aus dem Reichtum einer vorhandenen Formensprache, wie der der bildenden Kunst sowie auch aus den Motiven der Volkskunst heraus für Familie und Heim zu schöpfen.

Bis heute ist die Häkelarbeit neben dem Stricken die bedeutenste Handarbeit geblieben. Sie läßt den eigenen schöpferischen Fähigkeiten breiten Raum, ist unabhängig vom Ort und gibt auch dem eine gute Möglickeit, dessen Hände oder Augen vielleicht mit dem Stickrahmen nicht mehr so ganz zurechtkommen.
Darüber hinaus ist die Palette der Dinge, die gehäkelt werden können, schier unendlich, und die Möglichkeit, von den schlichten Schals bis zu den raffiniert gestalteten Tafelüberwürfen eine unendlich anmutende Zahl von Farben, Formen und Materialien kommbinieren zu können, machen diese Handarbeit einfach jedem zugänglich. Und jeder kann, seinen Fähigkeiten entsprechend, damit gestalterisch umgehen.
Aus all dem läßt sich ein einziger Schluss ziehen: Häkeln ist eine Volkskunst, die in einem Maße lebendig geblieben ist wie nur wenige Dinge aus dem Bereich der Volkskunst. Uns aus der Volkskunst schöpft bekanntlich aus der größte Künstler.



Allgemeines


Am Anfang einer Reihe oder Runde wird die 1. Masche durch Lm. ersetzt: 1 f. M. durch 1 oder 2 Lm.,   1 h. Stb. durch 2 Lm., 1 Stb. durch 3Lm., 1 Dstb. durch 4 Lm. usw.

Wird in Runden gehäkelt, schließt sie mit 1 Km. in die Anfangs-Lm. bzw. Anfangs-Masche. Wird die Runde anders geschlossen, ist dies der Beschreibung oder der Häkelschrift zu entnehmen.

Laufen Zeichen oben zu einer Spitze zusammen, so werden die entsprechenden Maschen zusammen abgemascht, d.h. alle Maschen (f.M., Stb. usw.) bis auf die letzte Schlinge abmaschen und mit einem weiteren Umschlag alle Schlingen zuammen abmaschen.

Laufen zeichen unten zu einer Spitze zusammen, so werden die Maschen in die gleiche Einstichstelle gearbeitet.
Pfeile in den Häkelschriften geben die Häkelrichtung an.
Wenn Pfeile Rapporte begrenzen, wird  dies in der Anleitung erwähnt.
Alle weiteren abgewandelten Zeichen werden jeweils bei den Anleitungen bzw. Häkelschriften erklärt.

Die häufigsten Abkürzungen


Lm.=LuftmascheRG.=Ringlt.=laut
Km.=Kettmaschezus.=zusammens.=siehe
f.M.=feste Maschewdh.=wiederholenusw.=und so weiter
h.Stb.=halbes Stäbchenfolg.= folgendeStr.=Strang
Stb.=Stäbchenabschl.=abschließenM.=Masche
Dstb.=DoppelstäbchenAbb.=AbbildungBG.=Bogen
R.=ReiheArt.=Artikelevtl.=eventuell
Rd.=Rundebzw.=beziehungsweiseh.h.=das heißt

Die wichtigsten Häkelschriftzeichen:





Bei Filethäkelei:

 


Tip zum Spannen einer Häkelarbeit:



Jedes Häkelmodell aus Garn muss korrekt gespannt werden, nur dann kann die Schönheit eines Musters voll zur Geltung kommen. Wie man für die Spannungsunterlage Quadrat, Rechteck und Kreis vorzeichnet weiß jeder. Beim Oval ist es ein bisschen komplizierter. Die obenstehenden Zeichnungen  erklären, wie man Kreis und Oval mit Hilfsschlingen vorzeichenet. Für diese Spannunterlage verwendet man- je nach Größe des Modells - Seidenpapier oder ein ausreichend großes altes Laken.

Ehe man zu zeichnen beginnt, muss man wissen, wie groß das Modell gespannt werden soll. Falls man sich nicht exakt an die im Anleitungstext genannte Maschenprobe gehalten hat, muss man die Größe neu ausmessen.Bei Filethäkelei kann das Fertigmaß vorher errechnet werden. Das geschieht am einfachsten, in dem nachgezählt wird, wieviel Karos auf 10cm treffen.
Ein Beispiel: Ihre Maschenprobe ergibt auf 10cm 18 Karos, das Modell zählt 225x255 Karos, das sind 125x141cm ( 225:18=12,5x10=125,255:18 = 14,1x10 = 141).

Für den Kreis muss der Mittelpunkt markiert und in diesem eine Fadenschlinge in der Länge des Kreis-Halbmessers mit einer Reißzwecke befestigt werden. Bei syenkrechter Haltungund straff gespannter Fadenschlinge ist der  Bleistift im Kreis zu führen, wobei man die Kontur in kurzen Abständen auf die Spannunterlage überträgt.

Fürs Oval wird die Längs-und Querachse markiert und auf der Querachse - mit gleichem Abstand zur Mitte - sind 2 Reißzwecken aufzustecken. Je, nach dem, ob das Oval länglich oder mehr der Kreisform ähnlich sein soll, ist der Abstand zur Mitte größer oder kleiner (je flacher das Oval, desto größer). Um die beiden Reißzwecken wird die Fadenschlinge lt. Abb. gelegt, ihre Länge richtet sich nach der Form des Ovals. Straffgezogen muss sie die beiden Scheitelpunkte erreichen. Die richtige Länge muss ausprobiert werden. In der straff gespannten Fadenschlinge ist der Bleistift zu führen, und damit ist die Kontur in kurzen Abständen auf der Spannunterlage festzuhalten.

Tip zum Luftmachenanschlag

Um zu vermeiden, dass man für eine sehr große Arbeit nicht Hunderte Luftmaschen auszählen muss, raten wir, den Luftmaschenanschlag und die erste Reihe mit verschiedenen Knäuel zu arbeiten. Es werden immer 40 bis 50 Luftmaschen angeschlagen, dann mit dem 2. Knäuel im Gittergrund - bzw. lt. Zählmuster - überhäkelt. Die Karos auszuzählen macht weniger Mühe. Falls das Muster nicht bereits in der 1. Reihe beginnt und dadurch markierungen festliegen, ist es zweckmäßig, nach der Karozahl, die für einen Mustersatz zu häkeln ist, einen andersfarbigen Faden einzuziehen. Ehe mit dem Muster begonnen wird, sollte die Anzahl der Kästchen noch einmal nachgezählt werden-lieber einmal zu viel zählen, als am Ende der 1. Musterreihe feststellen, dass einige Kästchen fehlen. Sollten zu viel gehäkelt worden sein, könnte man die Maschen "rückgehend" mit einer Stecknadel nach und nach auflösen, um sie so auf die richtige Anzahl zu reduzieren.

Zum Lehrgang geht's  hier


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